Die Kirche betrachtet die Firmung nicht als symbolischen Eintritt in das Erwachsenenalter oder als Abschluss einer Ausbildung, sondern als ein konkretes Wirken Gottes. Während die Taufe laut kirchlicher Lehre das neue Leben im Glauben initiiert und den Heiligen Geist verleiht, versteht sich die Firmung als Bestätigung und Festigung dieser Gabe. Sie dient der weiteren Stärkung der Getauften, um sie in ihrem Glaubensbekenntnis und ihrer Nachfolge zu unterstützen. Der Katechismus beschreibt die Firmung als Vertiefung der Taufgnade, stärkere Verwurzelung in der Kindschaft Gottes, engere Verbindung mit Christus, Mehrung der Gaben des Geistes, Vervollkommnung der Zugehörigkeit zur Kirche und Vermittlung besonderer Kraft zum glaubwürdigen Zeugnis. [1] Im biblischen Kontext wird in der Apostelgeschichte berichtet, dass Personen nach der Verkündigung getauft werden. Anschließend legen die Apostel ihnen die Hände auf, beten und die Neugetauften empfangen den Heiligen Geist. Dabei handelt es sich nicht um eine Wiederholung der Taufe, sondern um eine Ergänzung des während der Taufe begonnenen Vorgangs. Paulus verwendet hierfür Begriffe wie „Siegel“ und „Salbung“, wodurch Gott sein Zeichen setzt und befähigt. Die Kirche führt diese Praxis nach dem Vorbild der Apostel fort. In der Regel wird das Sakrament vom Bischof gespendet, der zugleich die Einheit der Kirche gewährleistet. In begründeten Ausnahmefällen kann er Priester damit beauftragen, wobei der Kern des Ritus unverändert bleibt. [2]
Die Kirchenväter erläutern die Bedeutung der Taufriten mit sachlicher Klarheit. Ambrosius beschreibt, dass die Neugetauften zunächst das Taufbad empfangen, gefolgt von der Salbung mit Chrisam auf Stirn und Haupt. Er interpretiert diese Handlungen als eine geistliche Rüstung, die den Getauften im Glauben stärkt und zur öffentlichen Bekenntnis befähigt. Cyrill von Jerusalem betont gegenüber den Täuflingen, dass sie nicht nur gereinigt, sondern auch ausgerüstet werden. Die Nachsalbung steht dafür, dass der neu getaufte Christ den „Duft Christi“ annimmt und die Gabe des Geistes nicht allein empfängt, sondern auch wirksam verkörpert. In diesem Zusammenhang verschmelzen symbolische Zeichen und deren zugeschriebene Wirklichkeit. [3]
Thomas von Aquin differenziert die Sakramente: Die Taufe führt in das Leben der Gnade ein und begründet die Zugehörigkeit zur Kirche. Die Firmung verleiht einen zweiten, unauslöschlichen Charakter, der als Siegel für die Sendung gilt. Anders als bei der Taufe ist die Materie der Firmung nicht Wasser, sondern Chrisam, da hier Stärkung und Auftrag im Mittelpunkt stehen, nicht Reinigung. Die Formel des Spenders fasst dies prägnant zusammen: „Sei besiegelt mit der Gabe Gottes, dem Heiligen Geist.“ Diese Formulierung versteht sich als sachliche Beschreibung dessen, was im Rahmen des Sakraments geschieht. [4]
Drei verbreitete Missverständnisse im Zusammenhang mit der Firmung lassen sich eindeutig aufklären. Erstens wird die Firmung häufig mit einer „Bar Mizwa“ verglichen; dabei handelt es sich jedoch nicht lediglich um ein Erinnerungszeichen. Sakramente wirken nach katholischer Lehre tatsächlich das, was sie bezeichnen. Zweitens wird die Firmung oft als Abschluss verstanden, obwohl sie vielmehr gemeinsam mit Taufe und Eucharistie zu den Initiationssakramenten gehört. Die Initiation stellt keinen linearen Stufengang dar, sondern bildet einen organischen Zusammenhang. Dies zeigt sich insbesondere in der östlichen Tradition, in welcher Taufe, Chrisamsalbung und Erstkommunion unmittelbar verbunden sind. Im Westen erfolgt die Firmung aus pastoralen Gründen häufig später, dennoch bleibt der theologische Zusammenhang erhalten. Die Eucharistie schließt die Eingliederung ab. Drittens besteht die Annahme, dass ein umfassendes intellektuelles Verständnis Voraussetzung für eine sinnvolle Firmung sei. Zwar ist ein entsprechendes Verständnis wünschenswert, jedoch steht gemäß kirchlicher Lehre die empfangene Gnade im Vordergrund. Kinder zeigen sich oftmals offener für göttliche Erfahrungen als Jugendliche. Die Kirche fordert daher eine Katechese sowie den Willen zur Weiterentwicklung im Glauben, setzt die Wirksamkeit der Gnade jedoch nicht von intellektueller Vollkommenheit voraus. [5] Die Überlieferung ist eindeutig: Das Konzil von Trient erkennt die Firmung als eigenständiges Sakrament an und betont die tatsächliche Gabe des Heiligen Geistes. Es weist ausdrücklich die Vorstellung zurück, bei der Firmung handle es sich lediglich um eine Wiederholung der Taufe. Vielmehr handelt es sich um ein weiteres, von Christus eingesetztes Sakrament, das einen unauslöschlichen Charakter verleiht. In den Ostkirchen bleibt die enge Verbindung zur Taufe erhalten. Der Katechismus stellt klar, dass diese Praxis die Einheit der Sakramente der Eingliederung verdeutlicht. [6]
Die Firmung ist im Unterschied zur Taufe nicht zwingend für das Heil erforderlich. Die Kirche betrachtet die Taufe als wesentliches Sakrament und unentbehrlichen Zugang zum Heil. Die Firmung hingegen wird als bedeutendes Gnadengeschenk verstanden, dessen Empfang nicht leichtfertig ausgeschlagen werden sollte, da es als Unterstützung Gottes für das Glaubenszeugnis und die Auseinandersetzung im Leben dient. Die Gaben des Heiligen Geistes – Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht – sind mehr als bloße Begriffe; sie prägen Haltung und Handeln im Alltag. Das Sakrament der Firmung ist ein Siegel, das tröstet, verpflichtet und stärkt. Daraus ergibt sich eine klare sakramentale Ordnung: Taufe und Firmung sind eng miteinander verbunden und dienen gemeinsam der Vorbereitung auf die Eucharistie. Viele sprechen sich daher für die erneuerte Reihenfolge aus – zuerst die Taufe, darauf die Firmung und abschließend die Erstkommunion.
Die Eucharistie bildet dabei den Höhepunkt und die Quelle des christlichen Lebens. Trotz disziplinarischer Unterschiede im westlichen Kirchenraum bleibt der Wesenskern dieser Sakramente unverändert, denn ihr Ursprung liegt in Gottes Wirken und nicht in menschlicher Gestaltung.
[1] Katechismus der Katholischen Kirche, zweite Ausgabe, Vatikanstadt, Libreria Editrice Vaticana 1997, Nr. 1285 bis 1314, 1315 bis 1321, 1322.
[2] Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Apostelgeschichte 8,14 bis 17 und 19,1 bis 7. Zweiter Korintherbrief 1,21 bis 22. Epheserbrief 1,13 bis 14. Zu Amt und Spender der Firmung vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1312 bis 1314.
[3] Ambrosius von Mailand, De mysteriis, in. Ambrosius. Über die Sakramente. Über die Mysterien. Übersetzt und eingeleitet von Hans Georg Thümmel, Stuttgart, Reclam, 1993, De mysteriis 7 bis 9.
[4] Thomas von Aquin, Summa Theologiae, III, quaestio 72, De confirmatione, articuli 1 bis 12. Zitierbar nach. Thomas von Aquin. Summa Theologiae, Lateinisch und deutsch, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
[5] Katechismus der Katholischen Kirche, zweite Ausgabe, Vatikanstadt, Libreria Editrice Vaticana 1997, Nr. 1285 bis 1314, 1315 bis 1321, 1322.
[6] Konzil von Trient, Sitzung VII, Dekret über das Sakrament der Firmung, Canones 1 bis 3, in. Heinrich Denzinger, Peter Hünermann, Enchiridion symbolorum, 43. Auflage, Freiburg, Herder.






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