Die Weihe ist ein Sakrament, durch das laut christlicher Lehre die Sendung der Apostel fortgeführt wird. Dabei handelt es sich nicht um einen geistlichen Aufstieg, sondern um einen Dienst innerhalb der Kirche. Der geweihte Amtsträger handelt insbesondere in der Feier der Eucharistie und der Absolution im Namen Christi und übernimmt damit eine zentrale Rolle als Repräsentant Christi, dem Haupt der Kirche. [1]
Vom Priestertum Israels zum Neuen Bund
Im Alten Bund ist eine strukturierte Priesterschaft vorgesehen. Aaron und seine Söhne werden für den Altardienst ordiniert, während die Leviten Aufgaben im Heiligtum übernehmen. Gleichzeitig wird das Volk Israel insgesamt zur priesterlichen Gemeinschaft berufen. Darüber hinaus existiert die so genannte Spur Melchisedeks. Melchisedek bringt Brot und Wein dar und spricht einen Segen über Abram aus. Im Psalm wird diese Verbindung auf den kommenden Messias hin interpretiert: „Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.“[2] Der Hebräerbrief deutet die Vollendung in Christus als Hohepriester, der nicht dem Stamm Levi angehört, sondern gemäß der Ordnung Melchisedeks zugeordnet wird. Christus nimmt den einzigartigen Opferdienst vor, dessen Wirkung unvermindert fortbesteht.[3]
Der Neue Bund ersetzt die bestehende Ordnung nicht, sondern bringt ihre Erfüllung. Jesus beruft zwölf Personen und überträgt ihnen die Befugnis zu lehren, sakrale Handlungen vorzunehmen und Leitungsfunktionen auszuüben. Zudem entsendet er sie mit dem Auftrag zur Verkündigung an alle Völker, vertraut ihnen die Verantwortung für die Eucharistie an und delegiert ihnen im Heiligen Geist die Vollmacht, bestimmte Handlungen zu binden oder zu lösen.[4]
Die Weitergabe des kirchlichen Amtes vollzieht sich nach katholisch-theologischer Lehre in einer feierlichen, liturgisch geprägten Handlung durch die Handauflegung und das Weihegebet. Diese Praxis hat ihren Ursprung bereits im Neuen Testament: Die Apostel bestellten Diakone, indem sie ihnen die Hände auflegten (vgl. Apg 6,6), sie übertrugen Ältesten durch Handauflegung und Gebet das Amt und sandten sie aus, oft begleitet von Fasten und Gebet (vgl. Apg 13,3). Auch Paulus erinnert Timotheus daran, dass die in ihm liegende Gnadengabe durch die Auflegung der Hände übertragen wurde (vgl. 2 Tim 1,6).
Nach katholischer Lehre ist die Handauflegung das wesentliche Element der Sakramentenspendung der Weihe (Ordinatio). Sie ist Zeichen der Weitergabe des Heiligen Geistes und der Eingliederung in die apostolische Sukzession. Das feierliche Weihegebet, das den Empfangenden mit Christus, dem Hohenpriester, verbindet, ergänzt die Handauflegung und bittet Gott um die Gaben des Geistes für den Dienst. Die Weihe verleiht einen unauslöschlichen Charakter und befähigt den Amtsträger, im Namen Christi zu lehren, zu heiligen und zu leiten.
Die Sakramentalität der Weihe bedeutet, dass Christus selbst im Akt der Weihe handelt und die Gnade vermittelt, unabhängig von der persönlichen Heiligkeit des Spenders. Die Weihe ist daher nicht bloße Übertragung einer Funktion, sondern eine geistliche Konfiguration mit Christus und Einbindung in das Amt der Kirche. In der römisch-katholischen Kirche kann nur ein gültig geweihter Bischof die Weihe gültig spenden, wodurch die apostolische Nachfolge gesichert bleibt.[5] Die früheste Kirche kennt genau diese Gestalt. Ignatius unterscheidet Bischof, Presbyter und Diakon und bindet die Einheit der Gemeinde und die rechtmäßige Eucharistie an die Einheit mit dem Bischof. Justin beschreibt die Liturgie, in der der Vorsteher dankt und die Gemeinde antwortet. Das Amt ist nicht spätes Beiwerk, sondern die Form, in der der eine Hirte sein Volk führt.[6]
Das Sakrament der Weihe heute. Stufen und Wirkung
Die Weihe hat drei Stufen: Diakon, Priester, Bischof. Der Bischof empfängt die Fülle des Weihesakraments in apostolischer Nachfolge. Der Priester ist sein Mitarbeiter, geweiht vor allem für Eucharistie, Versöhnung und Seelsorge. Der Diakon ist geweiht zum Dienst des Wortes, der Liturgie und der Liebe. Die Weitergabe geschieht durch Handauflegung und das große Weihegebet. Die Weihegebete erinnern bewusst an die alttestamentliche Priesterweihe und erbitten die Gaben des Geistes für den Dienst.[7] Nur ein gültig geweihter Bischof kann gültig weihen. Die Weihe prägt einen unauslöschlichen Charakter, eine bleibende Konfiguration mit Christus, damit der Amtsträger lehren, heiligen und leiten kann.[8] Die Wirksamkeit der Sakramente hängt nicht von der persönlichen Heiligkeit des Spenders ab. Christus bleibt der Handelnde.[9]
In der römischen Kirche werden in der Regel zölibatär lebende Männer geweiht. Das ist eine verbindliche kirchliche Ordnung mit geistlicher Weisheit. In den katholischen Ostkirchen gibt es verheiratete Priester. Beide Formen dienen demselben Geheimnis.[10] Das Konzil von Trient hat die göttliche Einsetzung des Weihesakraments bekräftigt und die drei Stufen klar benannt. Es hat damit ausgesprochen, was Schrift und Frühzeit zeigen.[11]
Weihe im weiteren Sinn. Sakramentalien und Widmungen
Im alltäglichen Sprachgebrauch verwenden wir den Begriff „Weihe“ oftmals auch für jene Handlungen, bei denen Personen, Orte oder Gegenstände Gott geweiht oder dauerhaft für den Gottesdienst bestimmt werden. Aus theologischer Sicht handelt es sich hierbei jedoch nicht um das Sakrament der Weihe im engeren Sinn, sondern um sogenannte Sakramentalien. Sakramentalien sind nach katholischer Lehre heilige Zeichen und Segnungen, die aus dem allgemeinen Taufpriestertum der Kirche hervorgehen. Sie vermitteln – im Unterschied zu den Sakramenten – keine Gnade ex opere operato, sondern Gott wirkt durch das Gebet der Kirche und den gläubigen Empfang dieser Zeichen.
Zu den Sakramentalien zählen beispielsweise die Kirchweihe und die Altarweihe, die Weihe einer Glocke, die Segnung von Rosenkränzen, Ikonen und Häusern, die Einsegnung eines Abtes oder einer Äbtissin, die feierliche Weihe von Chrisam und der Öle in der Chrisammesse sowie die Jungfrauenweihe im Ordo virginum. Einige dieser Riten besitzen einen bleibenden Charakter und reservieren eine Person oder einen Gegenstand dauerhaft für den Gottesdienst. Die katholische Theologie betont hierbei die Unterscheidung zur eucharistischen Konsekration: Wenn der Priester in der heiligen Messe die Einsetzungsworte spricht, werden Brot und Wein substantiell zum Leib und Blut Christi gewandelt. Dies ist der zentrale Akt der Eucharistie und unterscheidet sich grundlegend von der Weihe von Altar, Kirche oder Dingen.
Für die Glaubenspraxis bedeutet dies: Das sakramentale kirchliche Amt – das Sakrament der Weihe für Bischof, Priester und Diakon – ist eine Schutzform für die reale Gegenwart Gottes und für die Einheit im Glauben. Die Sakramentalien hingegen dehnen diese Nähe Gottes in den Alltag der Gläubigen aus. Beide Elemente stehen in einem inneren Zusammenhang: Ohne das Amt fehlt der Eucharistie die Stimme und die Autorität, ohne die gesegnete Weite der Sakramentalien bleibt die Gnade leicht auf den Kirchenraum beschränkt.
Die klare Unterscheidung der Begriffe ist für das Verständnis des katholischen Glaubens wesentlich: Spricht die Kirche von „Weihe“, so meint sie im engeren Sinn das Weihesakrament für Bischof, Priester und Diakon, das durch Handauflegung und Gebet übertragen wird und einen unauslöschlichen Charakter verleiht. Im weiteren Sinn umfasst der Begriff auch die heiligen Widmungen und Segnungen (Sakramentalien), die das Leben der Gläubigen an Gott binden und die göttliche Nähe in den Alltag tragen.
In der Kontinuität von der Heiligen Schrift über die frühe Kirche bis in die Gegenwart bleibt der „Faden“ der Weihe und der Sakramentalien erkennbar und tragfähig. Christus bleibt der Hirte, der sein Volk durch geweihte Amtsträger leitet und durch sakramentale Zeichen und Sakramentalien seine Gegenwart in der Welt und im Leben der Gläubigen erfahrbar macht. So wird die katholische Lehre von der Weihe und den Sakramentalien zu einem Fundament, das die Einheit der Kirche und die Teilhabe der Gläubigen am Heilswirken Christi sichert und vertieft.
[1] Katechismus der Katholischen Kirche 1536 bis 1600, besonders 1547 bis 1548 zur Unterscheidung von gemeinsamem und Amtspriestertum und zur Handlung in persona Christi, 1554 zur Dreigliederung, 1566 und 1592 zur Sendung zu lehren, zu heiligen und zu leiten.
[2] Katechismus der Katholischen Kirche 1297 zur Weihe des heiligen Chrisams und der Öle in der Chrisammesse.
[3] Katechismus der Katholischen Kirche 922 bis 924 zum Ordo virginum.
[4] Beispiele zu Kirch und Altarweihe und zu Weihen von Personen und Dingen zusammengefasst in KKK 1672.
[5] Ex 28; Num 3; Lev 8 zur Einsetzung von Priestern und Leviten. Einheitsübersetzung.
[6] Ignatius von Antiochien, An die Smyrnäer 8,1 bis 2 und An die Epheser 6,1, in: Die Apostolischen Väter. Stimmen der ersten Christen in ihren eigenen Worten.
[7] Katechismus der Katholischen Kirche 1541 bis 1543 zu den Weihegebeten der Kirche.
[8] Katechismus der Katholischen Kirche 1572, 1576, 1581 bis 1584 zum Ritus, zum weihenden Bischof, zum unauslöschlichen Charakter und zur Treue Christi im Sakrament.
[9] Katechismus der Katholischen Kirche 1584 zur Wirksamkeit des Sakraments durch Christus.
[10] Katechismus der Katholischen Kirche 1579 bis 1580 zu Zölibat in der lateinischen Kirche und zur Praxis verheirateter Priester in den Ostkirchen.
[11] Katechismus der Katholischen Kirche 1579 bis 1580 zu Zölibat in der lateinischen Kirche und zur Praxis verheirateter Priester in den Ostkirchen.






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