Wenn heute jemand behauptet, die Dreifaltigkeit sei eine spätere, „katholische“ Erfindung, dann hilft es, einen Autor zu lesen, der sehr früh, sehr kantig und sehr schriftbezogen argumentiert. Tertullian ist dafür ideal. Er ist kein scholastischer Systematiker, sondern ein Apologet. Er denkt biblisch, polemisch, manchmal grob, aber erstaunlich klar. Und genau deshalb ist er als Zeuge so stark: Er erklärt Johannes 1 nicht „symbolisch“, sondern als harte Aussage über Gott, den Logos, die Unterscheidung der Personen und die Einheit des göttlichen Wesens.
Wichtig: Ich bringe hier eine Mischung. Ich übersetze die Kernaussagen Tertullians in gutem Deutsch, markiere die entscheidenden trinitarischen Stellen fett und gebe dazwischen einen Kommentar in einem Ton, wie man ihn als Laie wirklich verstehen kann. Ich werde mich auf Tertullians Auslegung von Johannes 1,1 bis 4 beziehen, um zu zeigen, dass dieser herausragende Apologet klar lehrte: Die Person Christi ist ungeschaffen und wahrhaft göttlich. Der Sohn ging aus Gott hervor, noch bevor irgendetwas geschaffen wurde. In den folgenden Zitaten sieht man, wie Tertullian eine ganze Reihe biblischer Texte anführt, um die Dreifaltigkeit und auch die Unerschaffenheit Christi zu begründen. Er bezeugt nachdrücklich, dass Jesus dem Wesen nach ganz Gott ist, zugleich aber wirklich Mensch geworden ist, und er legt Schriftstellen wie Genesis 1,3 und 1,26 bis 27, Psalm 45 und 110, Jesaja 45,24, Römer 9,5 und weitere ausdrücklich auf Christus aus.
Tertullian schreibt als Verteidiger des apostolischen Glaubens gegen Irrlehrer wie Marcion, Hermogenes und Praxeas. Sein Grundsatz ist einfach: Was später neu erfunden wird, kann nicht die ursprüngliche Lehre der Apostel sein. Und wenn Johannes sagt, dass durch das Wort alles geworden ist, dann kann dieses Wort nicht selbst ein Geschöpf sein. Genau hier liegt der dogmatische Kern.
Kapitel 19. Der Brief an die Kolosser. Die Zeit als Kriterium von Wahrheit und Häresie. Anwendung des Kanons. Das Bild des unsichtbaren Gottes erklärt. Die Präexistenz unseres Christus in den alten Heilsordnungen des Schöpfers. Was in der Fülle Christi enthalten ist. Der epikureische Charakter von Marcions Gott. Die katholische Wahrheit im Gegensatz dazu. Das Gesetz verhält sich zu Christus wie der Schatten zur Substanz.
Ich pflege in meiner Grundschrift gegen alle Häresien mein knappes Kriterium der Wahrheit im Zeugnis der Zeit festzusetzen, indem ich den Vorrang als unsere Regel beanspruche und die Spätzeit als Kennzeichen jeder Häresie bezeichne. Dies wird nun sogar durch den Apostel bewiesen, wenn er sagt: „Wegen der Hoffnung, die für euch im Himmel aufbewahrt ist, von der ihr zuvor gehört habt im Wort der Wahrheit des Evangeliums, das zu euch gekommen ist, wie es auch in die ganze Welt gelangt ist.“ (Kolosser 1,5 bis 6) Wenn also schon damals die Überlieferung des Evangeliums überallhin vorgedrungen war, wie viel mehr jetzt. Wenn nun unser Evangelium es ist, das überallhin gelangt ist, und nicht irgendein häretisches Evangelium, erst recht nicht das Marcions, das erst aus der Regierungszeit des Antoninus stammt, dann ist unseres das Evangelium der Apostel. Selbst wenn Marcions Evangelium die ganze Welt erfüllte, wäre es auch dann nicht berechtigt, den Charakter des apostolischen Evangeliums zu tragen. Denn diese Eigenschaft kann offenbar nur dem Evangelium zukommen, das als erstes die Welt erfüllte, das heißt dem Evangelium jenes Gottes, der schon von alters her seine Verkündigung so angekündigt hat: „Ihr Schall ist hinausgegangen über die ganze Erde und ihre Worte bis an das Ende der Welt.“ (Psalm 19,5 nach Zählung mancher Übersetzungen, vgl. Römer 10,18)
Der Apostel nennt Christus „das Bild des unsichtbaren Gottes“. (Kolosser 1,15) Wir sagen ebenso, dass der Vater Christi unsichtbar ist, denn wir wissen, dass es der Sohn war, DER IN DER ANTIKE GESEHEN WURDE, sooft den Menschen im Namen Gottes eine Erscheinung gewährt wurde, als das Bild des Vaters selbst. Er darf dabei jedoch nicht so verstanden werden, als mache er einen Unterschied zwischen einem sichtbaren und einem unsichtbaren Gott, denn schon lange bevor der Apostel dies schrieb, finden wir eine Beschreibung unseres Gottes in diesem Sinn: „Kein Mensch kann den Herrn sehen und leben.“ (Exodus 33,20)
Wenn Christus nicht der Erstgeborene vor aller Schöpfung ist, als jenes Wort Gottes, durch das alles gemacht wurde und ohne das nichts gemacht wurde, (Johannes 1,3) wenn nicht alles in ihm geschaffen ist, ob im Himmel oder auf Erden, sichtbar und unsichtbar, ob Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten, wenn nicht alles durch ihn und auf ihn hin geschaffen ist, dann könnte der Apostel nicht so entschieden festgelegt haben, DASS ER VOR ALLEM IST. Denn wie ist er vor allem, wenn er nicht vor allen Dingen ist. Wie ist er wiederum vor allen Dingen, wenn er nicht der Erstgeborene der ganzen Schöpfung ist, wenn er nicht das Wort des Schöpfers ist. Wie soll der vor allen Dingen gewesen sein, der erst nach allen Dingen erschienen ist. Wer kann sagen, ob er eine frühere Existenz hatte, wenn man nicht einmal einen Beweis findet, dass er überhaupt existierte.
Wie konnte es ferner dem Vater gefallen, dass in ihm die ganze Fülle wohne. (Kolosser 1,19) Denn zunächst, was ist das für eine Fülle, die nicht aus den Bestandteilen besteht, die Marcion daraus entfernt hat, nämlich gerade aus jenen Dingen, die in Christus geschaffen wurden, im Himmel oder auf Erden, Engel oder Menschen, sichtbare und unsichtbare Dinge, Throne und Herrschaften und Mächte und Gewalten. Wenn andererseits unsere falschen Apostel und judaisierenden Evangeliumsverkünder all diese Dinge aus ihrem eigenen Vorrat eingeführt hätten und Marcion sie herangezogen hätte, um die Fülle seines eigenen Gottes zu konstruieren, dann, so absurd diese Hypothese auch ist, wäre er damit immerhin gerechtfertigt. Denn wie sollte sonst der Rivale und Zerstörer des Schöpfers gewollt haben, dass seine Fülle in seinem Christus wohne.
Mit wem versöhnt er wiederum alle Dinge durch sich selbst, indem er Frieden stiftet durch das Blut seines Kreuzes, (Kolosser 1,20) wenn nicht mit dem, den jene Dinge ganz und gar beleidigt hatten, gegen den sie durch Übertretung rebelliert hatten, zu dem sie aber am Ende zurückkehrten. Man könnte vielleicht einen fremden Gott beschwichtigen, aber versöhnen kann man unmöglich einen anderen als den eigenen Gott.
So versöhnt er uns, die wir einst entfremdet und im Denken Feinde waren durch böse Werke, (Kolosser 1,21) mit dem Schöpfer, gegen den wir uns vergangen hatten, indem wir das Geschöpf verehrten zum Nachteil des Schöpfers.
Wie er anderswo sagt, dass die Kirche der Leib Christi ist, (Epheser 1,23) so erklärt der Apostel hier ebenfalls, dass er in seinem Fleisch ergänzt, was an den Leiden Christi noch fehlt, um seines Leibes willen, der die Kirche ist. (Kolosser 1,24)
Aber ihr dürft deswegen nicht meinen, dass bei jeder Erwähnung seines Leibes der Ausdruck nur metaphorisch sei, statt wirkliches Fleisch zu bedeuten. Denn er sagt oben, dass wir in seinem Leib durch den Tod versöhnt sind, (Kolosser 1,22) was natürlich bedeutet, dass er in jenem Leib starb, in dem der Tod möglich war, nämlich durch das Fleisch. Daher fügt er hinzu: nicht durch die Kirche, sondern ausdrücklich um der Kirche willen, indem er Leib gegen Leib vertauscht, einen fleischlichen gegen einen geistlichen.
Wenn er sie wiederum warnt, sich vor spitzfindigen Worten und Philosophie zu hüten, als wäre es eitler Betrug nach den Grundsätzen der Welt, wobei er nicht das Gefüge von Himmel und Erde meint, sondern weltliche Gelehrsamkeit und Menschenüberlieferung, subtil in Rede und Philosophie, (Kolosser 2,8) wäre es unerquicklich und wäre Stoff für ein eigenes Werk zu zeigen, wie in diesem Satz alle Häresien verurteilt werden, weil sie aus den Ressourcen subtiler Rede und den Regeln der Philosophie bestehen. Doch Marcion soll wenigstens eines wissen: Der zentrale Begriff seines Glaubenssatzes stammt aus der Schule Epikurs und unterstellt, der Herr sei stumpf und gleichgültig, weshalb er sich weigert zu sagen, dass er zu fürchten sei. Aus der Stoa bringt er Materie herbei und stellt sie dem göttlichen Schöpfer gleich. Er leugnet auch die Auferstehung des Fleisches, eine Wahrheit, über die sich keine der Philosophenschulen einig war.
Wie fern ist unsere katholische Wahrheit von den Kunstgriffen dieses Häretikers, da sie sich scheut, den Zorn Gottes herauszufordern, und fest glaubt, dass Gott alles aus dem Nichts hervorbrachte, und uns die Wiederherstellung desselben Fleisches verheißt, das gestorben ist, und ohne Erröten bekennt, dass Christus aus dem Schoß der Jungfrau geboren wurde. Darüber lachen und spotten Philosophen und Häretiker und die Heiden selbst. Denn Gott hat das Törichte der Welt erwählt, um die Weisen zu beschämen, (1 Korinther 1,27) jenen Gott, der in Bezug auf diese Heilsordnung schon lange zuvor angedroht hatte, die Weisheit der Weisen zu vernichten. Dank dieser Einfachheit der Wahrheit, die der subtilen und eitlen Täuschung der Philosophie so entgegengesetzt ist, können wir unmöglich Gefallen an solchen verkehrten Meinungen finden.
Wenn Gott uns dann mit Christus lebendig macht und uns unsere Übertretungen vergibt, (Kolosser 2,13) können wir nicht annehmen, dass Sünden von einem Gott vergeben würden, gegen den, weil er ja die ganze Zeit unbekannt gewesen sein soll, gar nicht gesündigt werden konnte. Nun sag mir, Marcion, was ist deine Meinung über die Worte des Apostels: „Niemand soll euch richten wegen Speise oder Trank oder wegen eines Festes oder Neumondes oder Sabbats. Das ist nur ein Schatten der künftigen Dinge, die Wirklichkeit aber ist Christus.“ (Kolosser 2,16 bis 17) Wir behandeln hier das Gesetz nicht weiter, als um anzumerken, dass der Apostel klar lehrt, wie es abgeschafft wurde, indem man vom Schatten zur Substanz übergeht, also von figurativen Vorbildern zur Wirklichkeit, die Christus ist. Der Schatten gehört dem, dem auch der Leib gehört. Das heißt: Das Gesetz gehört ihm, und Christus gehört ihm.
Wenn du Gesetz und Christus trennst, indem du das eine dem einen Gott und das andere einem anderen zuweist, ist das so, als wolltest du den Schatten von dem Leib trennen, dessen Schatten er ist. Offenkundig hat Christus Beziehung zum Gesetz, wie der Leib zu seinem Schatten.
Wenn er diejenigen tadelt, die sich auf Engelsvisionen berufen, um zu behaupten, man müsse von Speisen abstehen, „Du darfst nicht berühren, du darfst nicht kosten“, in freiwilliger Demut, zugleich aber eitel aufgebläht im fleischlichen Sinn und nicht festhaltend am Haupt, dann greift der Apostel damit nicht das Gesetz oder Mose an, als hätte dieser auf Anregung abergläubischer Engel das Verbot verschiedener Speisen erlassen. Denn Mose hatte das Gesetz offenkundig von Gott empfangen. Wenn der Apostel daher von Geboten und Lehren von Menschen spricht, (Kolosser 2,22) meint er das Verhalten derer, die nicht am Haupt festhalten, an dem, in dem alles zusammengeführt wird. Denn alles wird zu Christus zurückgerufen und in ihm konzentriert als dem einleitenden Prinzip, sogar Speisen und Getränke, die ihrer Natur nach gleichgültig sind. Alle übrigen Gebote des Apostels, wie wir ausreichend gezeigt haben, als wir sie in einem anderen Brief behandelten, gehen vom Schöpfer aus, der, indem er voraussagte, dass das Alte vergehen und er alles neu machen werde, den Menschen befahl, Neuland aufzubrechen, und sie so schon damals lehrte, den alten Menschen abzulegen und den neuen anzuziehen.
(Gegen Marcion, Buch V)
Kapitel 20. Bedeutung der Wendung „Im Anfang“. Tertullian verbindet sie mit der Weisheit Gottes und gewinnt daraus die Wahrheit, dass die Schöpfung nicht aus einer vorgegebenen Materie entstand.
Zum Beweis, dass das griechische Wort nichts anderes als „Anfang“ bedeutet und dass „Anfang“ keinen anderen Sinn als den initialen haben kann, haben wir jenes Wesen, das selbst einen solchen Anfang anerkennt und sagt: „Der Herr besaß mich als Anfang seiner Wege, zur Schöpfung seiner Werke.“ (Sprüche 8,22) Da alle Dinge durch die Weisheit Gottes gemacht wurden, folgt: Als Gott Himmel und Erde im principio, das heißt im Anfang, machte, machte er sie in seiner Weisheit.
Wenn „Anfang“ tatsächlich eine materielle Bedeutung hätte, hätte die Schrift uns nicht gesagt, dass Gott dies oder jenes im principio, im Anfang, gemacht habe, sondern eher ex principio, aus dem Anfang, denn dann hätte er nicht in, sondern aus Materie geschaffen. Wenn aber auf die Weisheit Bezug genommen ist, war es völlig richtig zu sagen: im Anfang. Denn in der Weisheit machte er zuerst alles, weil er durch Nachdenken und Anordnung seiner Pläne darin das Werk der Schöpfung in gewisser Weise schon vollzogen hatte. Und selbst wenn er aus Materie zu schaffen beabsichtigt hätte, hätte er doch seine Schöpfung bereits vollzogen, als er zuvor darüber nachdachte und sie in seiner Weisheit ordnete. Denn diese Weisheit war der Anfang seiner Wege. Dieses Nachdenken und Ordnen ist die erste Tätigkeit der Weisheit, die den Weg zu den Werken öffnet durch den Akt der Betrachtung und des Gedankens.
Diese Autorität der Schrift beanspruche ich für mich auch aus dem Umstand, dass sie mir zwar den Gott zeigt, der schuf, und die Werke, die er schuf, mir aber in gleicher Weise nicht die Quelle enthüllt, aus der er schuf. Denn da es bei jeder Tätigkeit drei Hauptpunkte gibt, den, der macht, das, was gemacht wird, und das, woraus es gemacht wird, müssen in einer korrekten Erzählung drei Bezeichnungen genannt werden, die Person des Machers, die Art dessen, was gemacht wird, und das Material, aus dem es geformt ist. Wenn das Material nicht genannt wird, während Werk und Werkmeister genannt werden, ist klar, dass er das Werk aus dem Nichts gemacht hat. Denn wenn er etwas gehabt hätte, an dem er arbeiten konnte, wäre es ebenso genannt worden wie die anderen beiden Punkte.
Zum Schluss wende ich das Evangelium als ergänzendes Zeugnis zum Alten Testament an. Hier gibt es erst recht Grund, das Material zu zeigen, wenn es eines gab, aus dem Gott alles machte, da im Evangelium ja offenbart wird, durch wen er alles machte. „Im Anfang war das Wort“ (Johannes 1,1), das ist natürlich derselbe Anfang, in dem Gott Himmel und Erde machte (Genesis 1,1), „und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Alles ist durch ihn geworden, und ohne ihn wurde nichts“ (Johannes 1,1 bis 3). Da uns hier klar gesagt wird, wer der Werkmeister ist, nämlich Gott, und was er machte, nämlich alles, und durch wen er es machte, nämlich durch sein Wort, hätte die Ordnung der Erzählung nicht auch verlangt, die Quelle zu nennen, aus der alle Dinge von Gott durch das Wort gemacht wurden, wenn sie tatsächlich aus etwas gemacht worden wären. Was also nicht existierte, konnte die Schrift nicht erwähnen, und indem sie es nicht erwähnte, hat sie uns einen klaren Beweis gegeben, dass es ein solches Ding nicht gab. Denn wenn es eines gegeben hätte, hätte die Schrift es erwähnt.
Kapitel 22. Diese Schlussfolgerung bestätigt durch den Gebrauch der Heiligen Schrift in ihrer Schöpfungserzählung. Hermogenes in Gefahr des Wehewortes, das gegen das Hinzufügen zur Schrift ausgesprochen ist.
So sehr hat der Heilige Geist dies zur Regel seiner Schrift gemacht, dass er immer dann, wenn etwas aus etwas gemacht wird, sowohl das Gemachte als auch das nennt, woraus es gemacht wird. „Die Erde bringe Gras hervor, Kraut, das Samen trägt, und Fruchtbäume, die Frucht tragen nach ihrer Art, deren Samen in ihnen ist nach ihrer Art. Und so geschah es. Und die Erde brachte Gras hervor und Kraut, das Samen trägt nach seiner Art, und Bäume, die Frucht tragen, deren Samen in ihnen ist nach ihrer Art.“ (Genesis 1,11 bis 12) Und wieder: „Die Wasser sollen wimmeln von lebendigen Wesen, und Vögel sollen fliegen über der Erde unter dem Himmelsgewölbe. Und so geschah es. Und Gott schuf die großen Meerestiere und alle lebendigen Wesen, die sich regen, von denen die Wasser wimmelten nach ihrer Art.“ (Genesis 1,20 bis 21) Und später: „Die Erde bringe lebendige Wesen hervor nach ihrer Art, Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes nach ihrer Art.“ Wenn also Gott, wenn er andere Dinge aus Dingen hervorbringt, die schon gemacht waren, dies durch den Propheten anzeigt und uns sagt, was er aus welcher Quelle hervorgebracht hat, obwohl wir es auch selbst hätten vermuten können, da es ja bereits Geschaffenes gab, aus dem sie leicht hätten gemacht erscheinen können, wenn der Heilige Geist sich so sehr um unsere Unterweisung kümmert, dass wir wissen sollen, woraus alles hervorgebracht ist, hätte er uns dann nicht in gleicher Weise auch über Himmel und Erde genau informiert, indem er uns gesagt hätte, woraus er sie machte, falls ihre ursprüngliche Entstehung aus irgendeiner materiellen Substanz bestanden hätte. Gerade weil es hier am meisten so scheint, als habe er sie aus dem Nichts gemacht, gibt es umso weniger, aus dem er sie scheinbar hätte machen können.
So wie er uns also bei den Dingen, die aus einer Quelle hervorgebracht werden, die Quelle zeigt, so bestätigt er bei den Dingen, bei denen er nicht zeigt, woraus er sie hervorbrachte, durch dieses Schweigen unsere Behauptung, dass sie aus dem Nichts hervorgebracht wurden. „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ (Genesis 1,1) Ich verehre die Fülle seiner Schrift, in der er mir sowohl den Schöpfer als auch die Schöpfung offenbart. Im Evangelium entdecke ich außerdem einen Diener und Zeugen des Schöpfers, nämlich sein Wort. (Johannes 1,3) Ob aber alle Dinge aus irgendeiner zugrunde liegenden Materie gemacht wurden, konnte ich bisher nirgends finden. Wo so etwas geschrieben steht, muss es Hermogenes Werkstatt uns sagen. Wenn es nirgends geschrieben steht, dann soll sie das Wehe fürchten, das über allen hängt, die dem geschriebenen Wort etwas hinzufügen oder davon wegnehmen. (Offenbarung 22,18 bis 19)
Kapitel 45. Schluss. Gegensatz zwischen den Aussagen des Hermogenes und dem Zeugnis der Heiligen Schrift über die Schöpfung. Schöpfung aus dem Nichts, nicht aus Materie.
So haben die Propheten und Apostel uns nicht gesagt, dass die Welt gemacht wurde, weil Gott bloß erschien und sich der Materie näherte. Sie erwähnen nicht einmal irgendeine Materie, sondern sagen, dass die Weisheit zuerst eingesetzt wurde als Anfang seiner Wege für seine Werke. (Sprüche 8,22 bis 23) Dann, dass das Wort hervorgebracht wurde, durch das alles gemacht wurde und ohne das nichts gemacht wurde. (Johannes 1,3) Ja, „durch das Wort des Herrn wurden die Himmel gemacht und all ihr Heer durch den Hauch seines Mundes“. Er ist die rechte Hand des Herrn, (Jesaja 48,13) ja gleichsam seine zwei Hände, durch die er das Weltall wirkte und formte. Denn es heißt: „Die Himmel sind das Werk deiner Hände“, und er hat den Himmel abgemessen und die Erde mit einer Spanne. Sei nicht willens, Gott so mit Schmeichelei zu bedecken, dass du behauptest, er habe durch bloßes Erscheinen und einfaches Nahen so viele gewaltige Substanzen hervorgebracht, statt sie durch seine eigenen Kräfte zu formen. Denn Jeremia beweist es, wenn er sagt: „Gott hat die Erde gemacht durch seine Kraft, er hat den Erdkreis gegründet durch seine Weisheit und den Himmel ausgespannt durch seine Einsicht.“ (Jeremia 51,15) Das sind die Kräfte, durch deren Druck er dieses Weltall gemacht hat. Seine Herrlichkeit ist größer, wenn er sich mühte. Am siebten Tag ruhte er schließlich von seinen Werken. Beides entspricht seiner Weise.
Wenn er dagegen diese Welt gemacht hätte, indem er bloß erschien und sich näherte, hätte er dann, nachdem er sein Werk vollendet hatte, aufgehört, zu erscheinen und sich zu nähern. Nein, vielmehr begann Gott von der Zeit an, als die Welt gemacht war, noch sichtbarbarer zu erscheinen und überall zugänglich zu werden. Ihr seht also, wie alle Dinge bestehen durch die Wirksamkeit jenes Gottes, der die Erde gemacht hat durch seine Kraft, der den Erdkreis gegründet hat durch seine Weisheit und den Himmel ausgespannt hat durch seine Einsicht, nicht bloß erscheinend oder sich nähernd, sondern indem er die allmächtigen Anstrengungen seines Geistes, seiner Weisheit, seiner Kraft, seiner Einsicht, seines Wortes, seines Geistes, seiner Macht anwendet. Diese Dinge wären ihm nicht nötig gewesen, wenn er vollkommen gewesen wäre durch bloßes Erscheinen und Nahen. Sie sind jedoch seine unsichtbaren Dinge, die nach dem Apostel seit Erschaffung der Welt an den Werken erkannt werden. (Römer 1,20) Sie sind keine Teile einer unbestimmten Materie, sondern sinnfällige Beweise seiner selbst. Denn „wer hat den Sinn des Herrn erkannt“ (Römer 11,34), worüber der Apostel ausruft: „O Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis. Wie unerforschlich sind seine Urteile und unausforschlich seine Wege.“ Was zeigen diese Worte klarer, als dass alles aus dem Nichts gemacht wurde. Denn sie können nicht erforscht oder untersucht werden außer von Gott allein. Wären sie in Materie auffindbar oder nachweisbar, wären sie untersuchbar. Daher gilt: In dem Maß, in dem klar wurde, dass Materie keine frühere Existenz hatte, weil es unmöglich ist, dass sie eine solche Existenz gehabt haben kann, in diesem Maß ist bewiesen, dass alles von Gott aus dem Nichts gemacht wurde. Es muss allerdings zugegeben werden, dass Hermogenes, indem er der Materie einen Zustand zuschreibt wie seinen eigenen, unregelmäßig, verworren, aufgewühlt, von zweifelhaftem und übereiltem und hitzigem Drang, ein Muster seiner Kunst gezeigt und sein eigenes Porträt gemalt hat.
(Gegen Hermogenes)
Kapitel 7. Der Sohn, weil er Wort und Weisheit genannt wird, kann nach der Unzulänglichkeit menschlichen Denkens und Sprechens für ein bloßes Attribut gehalten werden. Es wird gezeigt, dass er ein personales Sein ist.
Dann also nimmt auch das Wort selbst seine eigene Gestalt und sein herrliches Gewand an, seinen eigenen Klang und seine sprachliche Äußerung, wenn Gott sagt: „Es werde Licht.“ (Genesis 1,3) Das ist die vollkommene Geburt des Wortes, wenn es AUS GOTT hervorgeht, zunächst von ihm geformt, um alles zu planen und zu bedenken unter dem Namen Weisheit: „Der Herr schuf oder formte mich als Anfang seiner Wege.“ (Sprüche 8,22) Dann danach gezeugt, um alles zur Ausführung zu bringen: „Als er den Himmel bereitete, war ich bei ihm.“ So macht er ihn ihm gleich. Denn indem er AUS IHM SELBST hervorging, wurde er sein erstgeborener Sohn, weil gezeugt VOR ALLEN DINGEN, (Kolosser 1,15) und auch sein einziggezeugter, weil er allein von Gott gezeugt ist auf eine ihm eigentümliche Weise, AUS DEM SCHOß SEINES EIGENEN HERZENS, wie der Vater selbst bezeugt: „Mein Herz hat mein vortrefflichstes Wort hervorgebracht.“ Der Vater hatte stets Wohlgefallen an ihm, der sich wiederum mit wechselseitiger Freude in der Gegenwart des Vaters freute: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt“, ja „noch vor dem Morgenstern habe ich dich gezeugt“. Der Sohn erkennt ebenfalls den Vater an und spricht in seiner eigenen Person unter dem Namen Weisheit: „Der Herr formte mich als Anfang seiner Wege im Hinblick auf seine Werke, vor allen Hügeln zeugte er mich.“
Denn wenn in dieser Stelle Weisheit zu sagen scheint, sie sei vom Herrn geschaffen worden im Hinblick auf seine Werke und zur Vollendung seiner Wege, so wird doch in einer anderen Schrift bewiesen, dass alle Dinge durch das Wort gemacht wurden und ohne es nichts gemacht wurde. (Johannes 1,3) Und wiederum heißt es anderswo: „Durch sein Wort wurden die Himmel gegründet und all ihre Mächte durch seinen Geist“, das heißt durch den Geist, die göttliche Natur, die im Wort war. So wird klar, dass es ein und dieselbe Kraft ist, die an einer Stelle Weisheit heißt und an einer anderen Wort, die für die Werke Gottes eingesetzt wurde (Sprüche 8,22), die die Himmel festigte, durch die alles gemacht wurde (Johannes 1,3) und ohne die nichts gemacht wurde. (Johannes 1,3)
Wir brauchen dabei nicht länger zu verweilen, als ob nicht eben dieses Wort selbst gemeint sei, das unter dem Namen Weisheit, Vernunft, ja der gesamten göttlichen Seele und Geist genannt wird. Es wurde auch Sohn Gottes und wurde gezeugt, als es AUS IHM hervorging.
Gibst du also zu, fragst du, dass das Wort eine gewisse Substanz ist, gebildet durch den Geist und die Mitteilung der Weisheit. Gewiss gebe ich das zu. Du aber willst ihm nicht erlauben, wirklich ein substantielles Sein zu sein, mit eigener Substanz, so dass man es als ein objektives Ding und eine Person ansehen kann, und so, als zweitgeordnet nach Gott dem Vater, zwei macht, den Vater und den Sohn, Gott und das Wort. Denn du wirst sagen: Was ist ein Wort anderes als Stimme und Laut des Mundes, und wie die Grammatiker lehren, geschlagene Luft, verständlich für das Ohr, aber ansonsten etwas Leeres, Nichtiges, Unkörperliches.
Ich dagegen behaupte, dass nichts Leeres und Nichtiges aus Gott hervorgehen konnte, da es nicht aus etwas Leerem und Nichtigem hervorgebracht wird. Auch kann das nicht ohne Substanz sein, was aus einer so großen Substanz hervorging und so große Substanzen hervorgebracht hat. Denn alles, was durch ihn gemacht wurde, hat er selbst persönlich gemacht. Wie könnte es sein, dass er selbst nichts ist, ohne den nichts gemacht wurde. Wie könnte der, der leer ist, Dinge gemacht haben, die fest sind, und der, der nichtig ist, Dinge, die voll sind, und der, der unkörperlich ist, Dinge, die Körper haben. Denn auch wenn etwas manchmal anders gemacht wird, als der ist, der es macht, kann doch nichts durch etwas gemacht werden, das leer und nichtig ist.
Ist also das Wort Gottes ein leeres und nichtiges Ding, das Sohn genannt wird, der selbst Gott genannt wird. „Das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.“ (Johannes 1,1) Es steht geschrieben: „Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen.“ (Exodus 20,7) Gewiss ist er es, der, „in der Gestalt Gottes“, es nicht für Raub hielt, Gott gleich zu sein. (Philipper 2,6) In welcher Gestalt Gottes. Natürlich in irgendeiner Gestalt, nicht in gar keiner. Denn wer wird leugnen, dass Gott ein Leib ist, obwohl Gott Geist ist. (Johannes 4,24) Denn Geist hat eine leibliche Substanz eigener Art, in eigener Form. Wenn nun unsichtbare Dinge, was immer sie sind, sowohl ihre Substanz als auch ihre Form in Gott haben, wodurch sie für Gott allein sichtbar sind, wie viel mehr wird das, was aus seiner Substanz ausgesandt wurde, nicht ohne Substanz sein.
Was also immer die Substanz des Wortes war, die ich Person nenne, beanspruche ich dafür den Namen Sohn. Und während ich den Sohn anerkenne, behaupte ich seine Unterscheidung als zweiten nach dem Vater.
Kapitel 8. Obwohl der Sohn oder das Wort Gottes vom Vater ausgeht, ist er doch nicht wie die Ausflüsse bei Valentinus vom Vater getrennt. Auch der Heilige Geist ist von keinem von beiden getrennt. Naturbilder.
Wenn nun jemand daraus schließen will, ich führe eine προβολή ein, das heißt ein Hervorbringen oder Vortragen eines Dinges aus einem anderen, wie Valentinus es tut, wenn er Äon aus Äon hervorbringt, einen nach dem anderen, dann ist meine erste Antwort: Die Wahrheit darf deswegen nicht darauf verzichten, einen Begriff zu gebrauchen und seine Wirklichkeit und Bedeutung, nur weil die Häresie ihn ebenfalls gebraucht. Tatsächlich hat die Häresie ihn vielmehr der Wahrheit entnommen, um daraus eine Fälschung zu formen. Ist das Wort Gottes hervorgebracht worden oder nicht. Stell dich hier mit mir hin und weiche nicht zurück. Wenn es hervorgebracht wurde, dann erkenne an, dass die wahre Lehre eine Prolation hat, und kümmere dich nicht um die Häresie, wenn sie in irgendeinem Punkt die Wahrheit nachahmt.
Die Frage ist nun, in welchem Sinn jede Seite die Sache und das Wort gebraucht. Valentinus teilt und trennt seine Prolationen von ihrem Urheber und setzt sie in so große Entfernung, dass der Äon den Vater nicht kennt, ja er sehnt sich, ihn zu kennen, kann es aber nicht, und wird fast in den Rest der Materie verschlungen und aufgelöst.
Bei uns jedoch kennt der Sohn allein den Vater (Matthäus 11,27) und hat selbst den Schoß des Vaters erschlossen. (Johannes 1,18) Er hat auch alles beim Vater gehört und gesehen, und was ihm vom Vater aufgetragen ist, das spricht er. (Johannes 8,26) Und nicht seinen eigenen Willen, sondern den des Vaters hat er vollbracht. (Johannes 6,38) Diesen Willen kannte er von Anfang an am innigsten.
Denn welcher Mensch kennt, was in Gott ist, außer dem Geist, der in ihm ist. (1 Korinther 2,11) Das Wort aber wurde durch den Geist geformt, und wenn ich so sagen darf, ist der Geist der Leib des Wortes. Das Wort ist daher immer im Vater, wie es sagt: „Ich bin im Vater“, (Johannes 14,11) und ist immer bei Gott, wie geschrieben steht: „Das Wort war bei Gott“, (Johannes 1,1) und niemals vom Vater getrennt oder etwas anderes als der Vater, da „Ich und der Vater sind eins“. (Johannes 10,30)
Das ist die Prolation, die von der Wahrheit gelehrt wird, der Hüterin der Einheit, wodurch wir erklären, dass der Sohn eine Prolation vom Vater ist, ohne von ihm getrennt zu sein. Denn Gott sandte das Wort aus, wie auch der Paraklet erklärt, so wie die Wurzel den Baum hervorbringt und die Quelle den Fluss und die Sonne den Strahl. Denn das sind προβολαί, Ausströmungen der Substanzen, aus denen sie hervorgehen. Ich würde nicht zögern, den Baum den Sohn oder Nachwuchs der Wurzel zu nennen, und den Fluss den der Quelle und den Strahl den der Sonne, denn jeder Ursprung ist ein Vater und alles, was aus dem Ursprung hervorgeht, ist ein Nachwuchs. Um wie viel mehr gilt das vom Wort Gottes, das tatsächlich als seinen eigenen besonderen Namen die Bezeichnung Sohn empfangen hat.
Dennoch ist der Baum nicht von der Wurzel getrennt, noch der Fluss von der Quelle, noch der Strahl von der Sonne, und auch das Wort ist nicht von Gott getrennt. Nach der Form dieser Analogien bekenne ich daher, dass ich Gott und sein Wort, den Vater und seinen Sohn, zwei nenne. Denn Wurzel und Baum sind deutlich zwei Dinge, aber korrelativ verbunden. Quelle und Fluss sind ebenfalls zwei Gestalten, aber unteilbar. Ebenso Sonne und Strahl, zwei Gestalten, aber zusammenhängend.
Alles, was aus etwas anderem hervorgeht, muss zweitgeordnet zu dem sein, woraus es hervorgeht, ohne deswegen getrennt zu sein. Wo aber ein Zweites ist, da sind zwei, und wo ein Drittes ist, da sind drei. Der Geist ist nämlich der Dritte von Gott und dem Sohn, wie die Frucht der Dritte von der Wurzel ist oder wie der Bach aus dem Fluss der Dritte von der Quelle ist oder wie die Spitze des Strahls der Dritte von der Sonne ist. Nichts aber ist dem Ursprung fremd, aus dem es seine Eigenschaften empfängt. So stört auch die Dreifaltigkeit, die vom Vater herabfließt durch verflochtene und verbundene Stufen, keineswegs die Monarchie, während sie zugleich die Ordnung der Ökonomie bewahrt.
Kapitel 12. Weitere Schriftzitate zum Beweis der Pluralität von Personen in der Gottheit.
Wenn dich die Zahl der Dreifaltigkeit beleidigt, als ob sie nicht in der einfachen Einheit verbunden wäre, frage ich: Wie ist es möglich, dass ein Wesen, das nur und absolut eins und einzig ist, in der Mehrzahl spricht und sagt: „Lasst uns den Menschen machen in unserem Bild und nach unserer Ähnlichkeit“ (Genesis 1,26), wo es doch hätte sagen müssen: „Lasst mich den Menschen machen in meinem Bild“, wenn es ein einzigartiges und einziges Wesen wäre. In der folgenden Stelle jedoch: „Siehe, der Mensch ist geworden wie einer von uns“ (Genesis 3,22) täuscht er uns entweder oder er macht sich einen Scherz, wenn er pluralisch spricht, während er doch nur eins und einzig sein soll.
Oder sprach er zu Engeln, wie die Juden den Text deuten, weil auch sie den Sohn nicht anerkennen. Oder sprach er, weil er zugleich Vater, Sohn und Geist war, zu sich selbst in der Mehrzahl und machte sich dadurch plural. Nein, es war, weil er seinen Sohn bereits an seiner Seite hatte als zweite Person, sein eigenes Wort, und eine dritte Person ebenfalls, den Geist im Wort, dass er bewusst die Mehrzahl gebraucht: „Lasst uns machen“ und „in unserem Bild“ und „wie einer von uns“.
Mit wem machte er den Menschen. Und wem machte er ihn ähnlich. Die Antwort muss sein: dem Sohn einerseits, der einst menschliche Natur anziehen sollte, und dem Geist andererseits, der den Menschen heiligen sollte. Mit diesen sprach er also in der Einheit der Dreifaltigkeit wie mit seinen Dienern und Zeugen.
Auch im folgenden Text unterscheidet er unter den Personen: „Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn.“ (Genesis 1,27) Warum sagt er „Bild Gottes“. Warum nicht einfach „sein eigenes Bild“, wenn nur eine Person der Schöpfer wäre und wenn es nicht auch einen gäbe, in dessen Bild er den Menschen machte. Es gab aber einen, in dessen Bild Gott den Menschen machte, nämlich das Bild Christi, der eines Tages Mensch werden sollte, und zwar gewisser und wahrer. Christus hatte schon bewirkt, dass der Mensch sein Bild genannt wurde, der aus Lehm geformt werden sollte, Bild und Gleichnis des wahren und vollkommenen Menschen.
Was sagt die Schrift aber über die früheren Werke der Welt. Ihre erste Aussage macht sie, bevor der Sohn erschienen ist: „Und Gott sprach: Es werde Licht, und es ward Licht.“ (Genesis 1,3) Sofort erscheint das Wort, das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt, (Johannes 1,9) und durch ihn kam das Licht auch über die Welt.
Von da an wollte Gott, dass die Schöpfung im Wort vollzogen werde, Christus war gegenwärtig und diente ihm. Und so schuf Gott. „Und Gott sprach: Es werde ein Firmament“, und Gott machte das Firmament. (Genesis 1,6 bis 7) Und Gott sprach: „Es werde Lichter“, und so machte Gott ein größeres und ein kleineres Licht. Und alle übrigen geschaffenen Dinge machte er in gleicher Weise, der, der auch die ersten machte, nämlich das Wort Gottes, durch das alles gemacht wurde und ohne das nichts gemacht wurde. (Johannes 1,3)
Wenn er nun ebenfalls Gott ist, nach Johannes, der sagt: „Das Wort war Gott“, (Johannes 1,1) dann hast du zwei, den einen, der befiehlt, dass es gemacht werde, und den anderen, der den Befehl ausführt und schafft. In welchem Sinn du ihn als „einen anderen“ verstehen sollst, habe ich bereits erklärt, aufgrund der Personalität, NICHT DER SUBSTANZ, als Unterscheidung, nicht als Teilung. Obwohl ich überall eine einzige Substanz in drei zusammenhängenden und untrennbaren Personen festhalten muss, bin ich aus der Notwendigkeit der Sache heraus verpflichtet anzuerkennen, dass der, der befiehlt, anders ist als der, der ausführt. Denn er würde nicht befehlen, wenn er die Arbeit die ganze Zeit selbst tun würde, während er sie dem Zweiten aufträgt. Und doch erteilte er den Befehl.
Kapitel 15. Zitate aus dem Neuen Testament. Sie bezeugen dieselbe Wahrheit von der Sichtbarkeit des Sohnes im Gegensatz zur Unsichtbarkeit des Vaters.
Wenn ich diesen Glaubensartikel nicht durch Stellen aus dem Alten Testament lösen kann, die strittig sein könnten, werde ich aus dem Neuen Testament eine Bestätigung unserer Sicht nehmen, damit du nicht sogleich dem Vater jede mögliche Beziehung und jeden Zustand zuschreibst, die ich dem Sohn zuschreibe. Siehe also: Ich finde sowohl in den Evangelien als auch in den apostolischen Schriften einen sichtbaren und einen unsichtbaren Gott offenbart, in einer klaren und personalen Unterscheidung beider.
Da ist ein markantes Wort bei Johannes: „Niemand hat Gott jemals gesehen.“ (Johannes 1,18) Das bedeutet natürlich: niemals in irgendeiner früheren Zeit. Er nimmt jede Zeitfrage weg, indem er sagt, Gott sei niemals gesehen worden. Der Apostel bestätigt dies, wenn er von Gott sagt: „Den kein Mensch gesehen hat und keiner sehen kann.“ (1 Timotheus 6,16) Denn der Mensch würde sterben, der ihn sähe.
Dieselben Apostel aber bezeugen, dass sie Christus gesehen und betastet haben. (1 Johannes 1,1) Wenn Christus also selbst sowohl Vater als auch Sohn wäre, wie könnte er dann sowohl sichtbar als auch unsichtbar sein.
Um diese Verschiedenheit zwischen sichtbar und unsichtbar zu versöhnen, könnte nun jemand einwenden, die beiden Aussagen seien richtig: Er sei im Fleisch sichtbar gewesen, vor seinem Erscheinen im Fleisch aber unsichtbar, so dass der, der als Vater vor dem Fleisch unsichtbar war, derselbe sei wie der Sohn, der im Fleisch sichtbar war. Wenn er aber derselbe ist, der vor der Menschwerdung unsichtbar war, wie kommt es dann, dass er in alten Zeiten vor dem Fleisch tatsächlich gesehen wurde. Und umgekehrt: Wenn er derselbe ist, der nach dem Fleisch sichtbar war, wie kommt es, dass die Apostel jetzt sagen, er sei unsichtbar.
Wie kann das alles sein, wenn nicht so: Einer ist es, der in alten Zeiten nur im Geheimnis und im Rätsel sichtbar war und durch die Menschwerdung klarer sichtbar wurde, nämlich das Wort, das auch Fleisch wurde. Und ein anderer ist es, den niemand je gesehen hat, nämlich der Vater, dem das Wort gehört.
Untersuchen wir kurz, wen die Apostel sahen. „Was wir mit unseren Augen gesehen haben, was wir angeschaut haben und was unsere Hände betastet haben, vom Wort des Lebens.“ (1 Johannes 1,1) Das Wort des Lebens wurde Fleisch und wurde gehört und gesehen und betastet, weil er Fleisch war, der, bevor er im Fleisch kam, das Wort war, im Anfang bei Gott dem Vater, (Johannes 1,1 bis 2) und nicht der Vater mit dem Wort. Denn obwohl das Wort Gott war, war es doch bei Gott, weil es Gott von Gott ist. Und da es mit dem Vater verbunden ist, ist es beim Vater.
„Und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit wie die des einziggeborenen vom Vater.“ (Johannes 1,14) Das ist natürlich die Herrlichkeit des Sohnes, dessen, der sichtbar war und vom unsichtbaren Vater verherrlicht wurde.
Und deshalb, weil Johannes gesagt hatte, das Wort Gottes sei Gott, um der Anmaßung des Gegners keine Hilfe zu geben, als habe er den Vater selbst gesehen, und um die Unterscheidung zwischen dem unsichtbaren Vater und dem sichtbaren Sohn zu ziehen, fügt er gleichsam im Übermaß hinzu: „Niemand hat Gott jemals gesehen.“ (1 Johannes 4,12) Welchen Gott meint er. Das Wort. Aber er hat schon gesagt: Den haben wir gesehen und gehört und unsere Hände haben das Wort des Lebens betastet. Welchen Gott meint er also. Natürlich den Vater, bei dem das Wort war, der einziggeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist und ihn kundgemacht hat. (Johannes 1,18)
Er wurde gehört und gesehen und, damit man ihn nicht für ein Trugbild halte, tatsächlich betastet. Ihn sah auch Paulus, aber nicht den Vater. „Habe ich nicht Jesus Christus, unseren Herrn, gesehen.“ (1 Korinther 9,1) Außerdem nennt er Christus ausdrücklich Gott, wenn er sagt: „Von ihnen stammen die Väter, und aus ihnen stammt dem Fleisch nach Christus, der über allem ist, Gott, gepriesen in Ewigkeit.“ (Römer 9,5)
Er zeigt uns auch, dass der Sohn Gottes, der das Wort Gottes ist, sichtbar ist, weil der, der Fleisch wurde, Christus genannt wurde. Vom Vater aber sagt er zu Timotheus: „Den keiner unter den Menschen gesehen hat und keiner sehen kann“, und er häuft die Beschreibung noch weiter an: „Der allein Unsterblichkeit besitzt und wohnt in unzugänglichem Licht.“ (1 Timotheus 6,16) Von ihm hatte er schon zuvor gesagt: „Dem König der Ewigkeit, dem Unvergänglichen, Unsichtbaren, dem alleinigen Gott.“ (1 Timotheus 1,17)
So können wir die entgegengesetzten Eigenschaften dem Sohn zuschreiben: Sterblichkeit, Zugänglichkeit. Von ihm bezeugt der Apostel, dass er nach der Schrift starb (1 Korinther 15,3) und dass er zuletzt von ihm selbst gesehen wurde, durch ein zugängliches Licht, auch wenn dieses Licht sein Augenlicht nicht ohne Gefahr bedrohte. (Apostelgeschichte 22,11) Ein ähnliches Risiko traf Petrus, Johannes und Jakobus, die zwar nicht demselben Licht begegneten, aber doch nicht ohne Gefahr für ihre Fassung. Hätten sie den Vater gesehen, wären sie auf der Stelle gestorben. Denn „kein Mensch wird Gott sehen und leben“. (Exodus 33,20)
Da dies so ist, ist klar: Er war von Anfang an gesehen, der am Ende sichtbar wurde. Und der am Ende nicht gesehen wurde, ist der, der von Anfang an niemals sichtbar war. Folglich gibt es zwei, den Sichtbaren und den Unsichtbaren. Es war daher der Sohn, der immer gesehen wurde, der Sohn, der immer mit den Menschen verkehrte, und der Sohn, der immer nach Autorität und Willen des Vaters wirkte, weil der Sohn nichts von sich aus tun kann, sondern nur, was er den Vater tun sieht, (Johannes 5,19) das heißt in seinem Geist und Gedanken. Denn der Vater handelt durch Geist und Gedanken, während der Sohn, der im Geist und Gedanken des Vaters ist, dem, was er sieht, Gestalt und Form gibt. So wurden alle Dinge durch den Sohn gemacht, und ohne ihn wurde nichts gemacht. (Johannes 1,3)
Kapitel 19. Der Sohn in Vereinigung mit dem Vater in der Schöpfung aller Dinge. Diese Vereinigung beider in der Mitwirkung widerspricht nicht der wahren Einheit Gottes. Sie widerspricht nur der Identifikationstheorie des Praxeas.
Diese Aussage Gottes werden sie schnell in ein Argument seiner Einzahl verdrehen. „Ich habe den Himmel allein ausgespannt“, sagt er. Gewiss allein in Bezug auf alle anderen Mächte. So gibt er einen vorbeugenden Hinweis gegen die Mutmaßungen der Häretiker, die behaupten, die Welt sei von verschiedenen Engeln und Kräften gebaut worden, und die den Schöpfer selbst entweder für einen Engel oder für einen untergeordneten Gesandten halten, der äußere Dinge formte und dabei das göttliche Vorhaben nicht kannte.
Wenn nun in diesem Sinn er den Himmel allein ausspannt, wie kommt es, dass diese Häretiker so verkehrt argumentieren, dass sie die Einzigkeit jener Weisheit unzulässig machen, die sagt: „Als er den Himmel bereitete, war ich bei ihm.“ (Sprüche 8,27) Obwohl der Apostel fragt: „Wer hat den Sinn des Herrn erkannt oder wer ist sein Ratgeber gewesen“, (Römer 11,34) und damit natürlich jene Weisheit ausnimmt, die bei ihm war. (Sprüche 8,30)
In ihm und mit ihm hat die Weisheit das Weltall erbaut, er war nicht unwissend darüber, was sie machte. „Außer der Weisheit“ ist im Sinn genau dasselbe wie „außer dem Sohn“, der Christus ist, die Weisheit und Kraft Gottes, (1 Korinther 1,24) der nach dem Apostel allein den Sinn des Vaters kennt. Denn „wer kennt, was in Gott ist, außer dem Geist, der in ihm ist“. (1 Korinther 2,11) Nicht ohne ihn. Es war also einer da, der Gott dazu brachte, nicht allein zu sein, außer allein von allen anderen Göttern.
Wenn wir den Häretikern folgen sollten, müsste das Evangelium selbst verworfen werden, weil es sagt, dass alle Dinge von Gott durch das Wort gemacht wurden, ohne das nichts gemacht wurde. (Johannes 1,3) Und es gibt, wenn ich mich nicht täusche, auch eine andere Stelle: „Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel gemacht und all ihr Heer durch seinen Geist.“ Dieses Wort, die Kraft Gottes und die Weisheit Gottes, muss der Sohn Gottes sein. Wenn er also alles durch den Sohn tat, muss er den Himmel durch den Sohn ausgespannt haben und so nicht allein, außer in dem Sinn, dass er allein ist, getrennt von allen anderen Göttern.
Dementsprechend sagt er unmittelbar danach über den Sohn: „Wer sonst ist es, der die Zeichen der Lügner vereitelt und Wahrsager rasend macht, Weise zurückdrängt und ihre Erkenntnis zur Torheit macht, und die Worte seines Sohnes bestätigt“, (Jesaja 44,25) wenn er zum Beispiel sagt: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, ihn sollt ihr hören.“ (Matthäus 3,17)
Indem er so den Sohn an sich bindet, wird er sein eigener Ausleger, in welchem Sinn er den Himmel allein ausgespannt hat. Er meint allein mit seinem Sohn, so wie er eins ist mit seinem Sohn. Daher kann das Wort „Ich habe den Himmel allein ausgespannt“ (Jesaja 44,24) gleichermaßen ein Wort des Sohnes sein, weil durch das Wort die Himmel gegründet wurden.
Da der Himmel bereitet wurde, als Weisheit im Wort gegenwärtig war, und da alles durch das Wort gemacht wurde, ist es völlig richtig zu sagen, dass auch der Sohn den Himmel allein ausgespannt hat, weil er allein dem Werk des Vaters diente. Er muss auch der sein, der sagt: „Ich bin der Erste, und bis in alle Zukunft bin ich.“ Das Wort war ohne Zweifel VOR ALLEN DINGEN. „Im Anfang war das Wort“, (Johannes 1,1) und in diesem Anfang wurde es vom Vater ausgesandt.
Der Vater aber hat keinen Anfang, da er von keinem ausgeht, und er kann nicht gesehen werden, da er nicht gezeugt ist. Der, der immer allein war, konnte nie Ordnung oder Rang gehabt haben. Wenn sie daher beschlossen haben, Vater und Sohn als ein und dieselbe Person zu betrachten, um die Einheit Gottes zu retten, bleibt diese Einheit unversehrt, denn er ist einer und hat doch einen Sohn, der in denselben Schriften gleicherweise mit umfasst ist.
Weil sie nicht zugeben wollen, dass der Sohn eine eigene Person ist, als zweiter nach dem Vater, damit man nicht, weil er zweitgeordnet ist, von zwei Göttern spreche, haben wir oben gezeigt, dass in der Schrift tatsächlich zwei als Gott und Herr beschrieben werden. Und damit sie daran nicht Anstoß nehmen, geben wir den Grund: Sie werden nicht zwei Götter und zwei Herren genannt, sondern zwei als Vater und Sohn. Und dies nicht durch Trennung der Substanz, sondern gemäß der Heilsordnung, in der wir erklären, dass der Sohn ungeteilt und untrennbar vom Vater ist, unterschieden im Grad, nicht im Zustand. Und obwohl er, wenn er getrennt genannt wird, Gott genannt wird, macht er dadurch nicht zwei Götter, sondern einen, gerade weil er aus der Vereinigung mit dem Vater heraus Gott genannt wird.
Kapitel 20. Die Schriftstellen, auf die Praxeas sich stützt, sind wenige. Tertullian nennt sie.
Ich muss mir weitere Mühe geben, ihre Argumente zu widerlegen, wenn sie Stellen aus der Schrift auswählen, um ihre Meinung zu stützen, und sich weigern, die anderen Punkte zu berücksichtigen, die offenkundig die Glaubensregel aufrechterhalten, ohne die Einheit der Gottheit zu verletzen, und bei voller Anerkennung der Monarchie.
Wie sie im Alten Testament nichts anderes greifen als: „Ich bin Gott und außer mir gibt es keinen Gott“, (Jesaja 45,5) so behalten sie im Evangelium nur drei Stellen im Blick: die Antwort des Herrn an Philippus: „Ich und mein Vater sind eins“, (Johannes 10,30) und: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“, sowie: „Ich bin im Vater und der Vater ist in mir“. (Johannes 14,9 bis 10) Sie wollen die gesamte Offenbarung beider Testamente diesen drei Stellen unterwerfen, während der richtige Weg ist, die wenigen Aussagen im Licht der vielen zu verstehen.
Doch in ihrem Streit handeln sie nach dem Prinzip aller Häretiker. Weil sich in der Gesamtmasse nur wenige Zeugnisse finden, die ihnen zu passen scheinen, setzen sie die wenigen hartnäckig gegen die vielen, und sie setzen das Spätere gegen das Frühere. Die Regel aber, die von Anfang an für jeden Fall gilt, richtet sich gegen spätere Annahmen und ebenso gegen die geringere Zahl.
Kapitel 21. In diesem und den vier folgenden Kapiteln wird durch genaue Analyse des Johannesevangeliums gezeigt, dass Vater und Sohn ständig als verschiedene Personen bezeichnet werden.
Bedenke also, wie viele Stellen in eben diesem Evangelium dir ihre „präskriptive“ Autorität entgegenhalten, noch vor jener Anfrage des Philippus und bevor du überhaupt diskutierst. Zuerst kommt der Prolog des Johannes, der uns zeigt, was der war, der Fleisch werden sollte. „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Es war im Anfang bei Gott. Alles ist durch ihn geworden, und ohne ihn wurde nichts.“ (Johannes 1,1 bis 3) Da diese Worte nicht anders genommen werden dürfen, als sie geschrieben stehen, wird ohne Zweifel einer gezeigt, der von Anfang an war, und einer, bei dem er immer war. Einer ist das Wort Gottes, der andere Gott, wobei das Wort ebenfalls Gott ist, aber Gott als Sohn Gottes, nicht als Vater. Durch den einen sind alle Dinge geworden, durch den anderen werden alle Dinge als Ursprung gedacht. In welchem Sinn wir ihn „einen anderen“ nennen, haben wir oft beschrieben. Weil wir ihn „einen anderen“ nennen, müssen wir sagen: nicht identisch, jedoch nicht getrennt, anders durch Heilsordnung, nicht durch Teilung.
Der, der Fleisch wurde, war also nicht derselbe wie der, aus dem das Wort hervorging. Seine Herrlichkeit wurde geschaut, die Herrlichkeit wie die des einziggeborenen vom Vater, (Johannes 1,14) nicht wie die des Vaters. Er allein erklärte, was im Schoß des Vaters ist. Der Vater hat nicht die Geheimnisse seines eigenen Schoßes offenbart. Denn dem geht eine andere Aussage voraus: „Niemand hat Gott jemals gesehen.“
Wenn er dann durch Johannes den Täufer als „das Lamm Gottes“ bezeichnet wird, (Johannes 1,29) wird er nicht als derselbe beschrieben wie der, dessen geliebter Sohn er ist. Er ist ohne Zweifel immer der Sohn Gottes, aber doch nicht er selbst, von dem er Sohn ist.
Nathanael erkannte dies sofort: „Du bist der Sohn Gottes“, (Johannes 1,49) wie Petrus es später tat: „Du bist der Sohn Gottes.“ (Matthäus 16,16) Und Christus bestätigte, dass sie recht hatten. Denn er antwortete Nathanael: „Weil ich sagte, ich sah dich unter dem Feigenbaum, glaubst du.“ (Johannes 1,50) Ebenso erklärte er Petrus selig, weil Fleisch und Blut ihm dies nicht offenbart hatten, sondern der Vater im Himmel. (Matthäus 16,17) Damit bestimmte er die Unterscheidung zwischen den Personen: den Sohn auf Erden, den Petrus als Sohn Gottes bekannte, und den Vater im Himmel, der Petrus die Erkenntnis offenbart hatte.
Als er den Tempel betrat, nannte er ihn das Haus seines Vaters, (Johannes 2,16) als Sohn sprechend. In der Rede an Nikodemus sagt er: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einziggeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Johannes 3,16) Und: „Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, um die Welt zu richten, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet, wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einziggeborenen Sohnes Gottes geglaubt hat.“ (Johannes 3,17 bis 18)
Als Johannes der Täufer gefragt wurde, was er über Jesus wisse, sagte er: „Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben, wer dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“ (Johannes 3,35 bis 36)
Wen offenbarte er der Samariterin. Nicht den Messias, der Christus heißt. (Johannes 4,25) So zeigte er natürlich, dass er nicht der Vater ist, sondern der Sohn. Anderswo wird er ausdrücklich „der Christus, der Sohn Gottes“ genannt, (Johannes 20,31) und nicht der Vater.
Er sagt daher: „Meine Speise ist, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu vollenden.“ (Johannes 4,34) Zu den Juden sagt er wegen der Heilung des Gelähmten: „Mein Vater wirkt bis jetzt, und auch ich wirke.“ (Johannes 5,17) „Mein Vater und ich“, das sind die Worte des Sohnes. Deshalb suchten die Juden umso mehr, ihn zu töten, nicht nur, weil er den Sabbat brach, sondern weil er Gott seinen Vater nannte und sich so Gott gleich machte.
Dann antwortete er: „Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht. Denn was jener tut, das tut ebenso auch der Sohn. Der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er tut, und er wird ihm noch größere Werke zeigen, damit ihr euch wundert. Wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen er will. Der Vater richtet niemand, sondern hat das ganze Gericht dem Sohn übergeben, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen. Die Stunde kommt, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die sie hören, werden leben. Wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er dem Sohn gegeben, Leben in sich selbst zu haben, und er gab ihm Vollmacht zum Gericht, weil er der Sohn des Menschen ist.“ (Johannes 5,19 bis 27) Das heißt nach dem Fleisch Sohn des Menschen, wie er auch Sohn Gottes ist durch seinen Geist.
Dann sagt er: „Ich habe ein größeres Zeugnis als das des Johannes, denn die Werke, die der Vater mir gegeben hat, sie zu vollenden, diese Werke zeugen von mir, dass der Vater mich gesandt hat. Und der Vater selbst, der mich gesandt hat, hat von mir Zeugnis abgelegt.“ (Johannes 5,36 bis 37) Und er fügt hinzu: „Ihr habt seine Stimme nie gehört und seine Gestalt nie gesehen“, wodurch er bekräftigt, dass es in früheren Zeiten nicht der Vater war, sondern der Sohn, der gesehen und gehört wurde.
Am Ende sagt er: „Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und ihr habt mich nicht angenommen.“ Es war also immer der Sohn, von dem wir unter dem Namen des allmächtigen und höchsten Gottes, des Königs und Herrn lesen.
Auch denen, die fragten, was sie tun müssten, um die Werke Gottes zu wirken, antwortete er: „Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ (Johannes 6,29) Er erklärt sich zum Brot, das der Vater aus dem Himmel gesandt hat, und fügt hinzu, dass alle, die der Vater ihm gegeben hat, zu ihm kommen werden, und dass er sie nicht hinausstoßen werde, weil er vom Himmel gekommen ist, nicht um seinen eigenen Willen zu tun, sondern den Willen des Vaters. Und der Wille des Vaters sei, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, das ewige Leben und die Auferstehung am letzten Tag empfängt. Niemand könne zu ihm kommen, wenn der Vater ihn nicht ziehe. Jeder, der vom Vater gehört und gelernt hat, komme zu ihm. (Johannes 6,37 bis 45) Dann sagt er ausdrücklich: „Nicht dass jemand den Vater gesehen hätte“, womit er zeigt, dass Menschen durch das Wort des Vaters unterwiesen wurden.
Als viele ihn verließen und er die Apostel fragte, ob auch sie weggehen wollten, was antwortete Simon Petrus. „Zu wem sollen wir gehen. Du hast Worte ewigen Lebens, und wir glauben, dass du der Christus bist.“ Glaubten sie ihn als Vater oder als Christus des Vaters.
(Gegen Praxeas)
Kapitel 5. Überlegungen als Antwort, lobend über das Fleisch. Es wurde von Gott geschaffen. Der Leib des Menschen war tatsächlich vor seiner Seele da.
Da nun alle ungebildeten Menschen ihre Meinungen nach solchen naheliegenden Vorstellungen bilden und da die Zögernden und Schwachen durch dieselben Vorstellungen neue Zweifel bekommen, und da der erste Rammbock, den man gegen uns richtet, der ist, der den Zustand des Fleisches erschüttert, müssen wir unsere Verteidigung so führen, dass wir zuerst den Zustand des Fleisches schützen, indem wir ihre Verachtung durch unser Lob zurückweisen.
Die Häretiker forderten uns heraus, unsere Rhetorik ebenso wie unsere Philosophie zu gebrauchen. Was also diesen schwachen und armen, wertlosen Leib betrifft, den sie sogar böse nennen, selbst wenn er das Werk von Engeln wäre, wie Menander und Markus meinen, oder die Formung eines feurigen Wesens, eines Engels, wie Apelles lehrt, wäre es schon genug, um dem Leib Achtung zu sichern, dass er die Unterstützung selbst einer sekundären Gottheit hätte. Die Engel stehen, das wissen wir, unmittelbar nach Gott.
Was immer der höchste Gott eines jeden Häretikers sein mag, ich würde nicht ungerecht die Würde des Fleisches auch von dem ableiten, bei dem der Wille zu seiner Hervorbringung anwesend war. Denn wenn er nicht gewollt hätte, dass es hervorgebracht wird, hätte er es verhindert, als er wusste, dass es im Entstehen war. Folglich ist auch nach ihrem Prinzip das Fleisch ebenso Werk Gottes. Es gibt kein Werk, das nicht dem gehört, der sein Dasein zugelassen hat.
Es ist eine glückliche Sache, dass die meisten ihrer Lehren, sogar die härtesten, unserem Gott die gesamte Bildung des Menschen zugestehen. Wie mächtig er ist, wisst ihr gut, die ihr glaubt, dass er der einzige Gott ist. So beginne das Fleisch dir Freude zu machen, da sein Schöpfer so groß ist.
Du sagst aber: Auch die Welt ist Werk Gottes, und doch vergeht die Gestalt dieser Welt, wie der Apostel bezeugt. (1 Korinther 7,31) Man dürfe nicht voraussetzen, dass die Welt wiederhergestellt wird, nur weil sie Werk Gottes ist. Und wenn das Weltall nach seinem Untergang nicht neu geformt wird, warum sollte dann ein Teil von ihm es werden.
Du hast recht, wenn ein Teil dem Ganzen gleich wäre. Wir behaupten aber einen Unterschied. Erstens, weil alle Dinge durch das Wort Gottes gemacht wurden und ohne es nichts gemacht wurde. (Johannes 1,3) Auch das Fleisch hatte sein Dasein vom Wort Gottes, nach dem Grundsatz, dass hier nichts ohne dieses Wort sein soll. „Lasst uns Menschen machen“, (Genesis 1,26) sagte Gott, bevor er ihn schuf, und fügte hinzu: „mit unserer Hand“, um seiner Vorrangstellung willen, damit er nicht mit dem übrigen Geschaffenen gleichgesetzt werde. Und „Gott formte den Menschen“. (Genesis 1,27)
Hier ist unzweifelhaft ein großer Unterschied in der Vorgehensweise, der aus der Natur der Sache folgt. Denn die Geschöpfe, die gemacht wurden, waren geringer als der, für den sie gemacht wurden, und sie wurden für den Menschen gemacht, dem sie später von Gott unterworfen wurden. Deshalb kamen die Geschöpfe, die zur Unterwerfung bestimmt waren, durch Befehl, Gebot und alleinige Macht der göttlichen Stimme hervor. Der Mensch dagegen, dazu bestimmt, ihr Herr zu sein, wurde von Gott selbst geformt, damit er seine Herrschaft ausüben könne, geschaffen vom Herrn und Meister selbst.
Denke auch daran, dass der Mensch eigentlich Fleisch genannt wird, und dass das Fleisch in der Benennung des Menschen bereits den Vorrang hatte: „Und Gott formte den Menschen aus Erde vom Ackerboden.“ Er wurde erst jetzt Mensch, der bis dahin Erde war. Und „er hauchte in sein Angesicht den Odem des Lebens, und der Mensch, das heißt die Erde, wurde eine lebendige Seele. Und Gott setzte den Menschen, den er geformt hatte, in den Garten.“ (Genesis 2,7 bis 8) So war der Mensch zuerst Erde und erst danach Mensch in seiner Ganzheit. Ich will dir dies einprägen, damit du weißt: Was immer Gott dem Menschen beabsichtigt oder verheißen hat, ist nicht nur der Seele geschuldet, sondern auch dem Fleisch, wenn nicht aus Gemeinschaft des Ursprungs, dann doch zumindest wegen des Vorrechts, das dieses im Namen besitzt.
Kapitel 6. Nicht die Niedrigkeit des Materials, sondern die Würde und Kunst des Schöpfers muss bedacht werden, wenn man die Vortrefflichkeit des Fleisches beurteilt. Christus nahm unser Fleisch an.
Lass mich daher das Thema weiterführen, wenn es mir nur gelingt, dem Fleisch so viel Würde zu sichern, wie ihm von dem verliehen wurde, der es gemacht hat. Schon damals durfte es sich rühmen, weil dieses armselige Material, Erde, in die Hände Gottes gelangte, welche auch immer diese waren, glücklich genug, allein von ihnen berührt zu werden.
Warum dieses Rühmen. War es, weil die Erde ohne weitere Mühe sofort durch Gottes Berührung ihre Form annahm. Die Wahrheit ist: Es war etwas Großes im Gang, aus dem das Geschöpf geformt wurde. So oft es die Hände Gottes erfährt, wird es geehrt, wenn es von ihnen berührt, gezogen, geformt, gestaltet wird. Stell dir Gott ganz darin beschäftigt vor, in seiner Hand, seinem Blick, seiner Mühe, seinem Vorsatz, seiner Weisheit, seiner Vorsehung, und vor allem in seiner Liebe, die die Züge dieses Geschöpfes diktierte.
Denn welche Form und welcher Ausdruck der Erde damals gegeben wurde, Christus war in Gottes Gedanken als der, der eines Tages Mensch werden sollte, weil das Wort selbst Erde und Fleisch werden sollte, wie die Erde damals. Darum sagte der Vater zuvor zum Sohn: „Lasst uns Menschen machen in unserem Bild, nach unserer Ähnlichkeit.“ (Genesis 1,26) Und Gott machte den Menschen, das Geschöpf, das er formte und gestaltete. Nach dem Bild Gottes, das heißt nach dem Bild Christi, machte er ihn. Und das Wort war ebenfalls Gott, der, in der Gestalt Gottes, es nicht für Raub hielt, Gott gleich zu sein. (Philipper 2,6)
So war jene Erde, die schon damals das Bild Christi annahm, der im Fleisch kommen sollte, nicht nur Werk, sondern auch Pfand und Bürgschaft Gottes.
Wozu also den Namen Erde wie einen schmutzigen, kriechenden Stoff herumwerfen, um den Ursprung des Fleisches zu beschmutzen, wo doch selbst wenn ein anderes Material verfügbar gewesen wäre, die Würde des Schöpfers zu bedenken wäre, der schon durch seine Auswahl das Material würdigte und es durch seine Behandlung würdig machte. Die Hand des Phidias formt den olympischen Zeus aus Elfenbein. An der Statue wird Verehrung geübt, und sie gilt nicht mehr als Gott aus einem lächerlichen Tier, sondern als höchste Gottheit der Welt, nicht wegen des Elefanten, sondern wegen des Ruhms des Phidias.
Könnte also der lebendige Gott, der wahre Gott, nicht durch sein eigenes Wirken alles Niedrige von seinem Material abwaschen und es von jeder Schwäche heilen. Oder muss es bleiben, um zu zeigen, wie viel edler der Mensch einen Gott anfertigen könnte als Gott einen Menschen formen.
Auch wenn die Erde anstößig ist wegen ihrer Armut, ist sie jetzt etwas anderes. Was ich besitze, ist Fleisch, nicht Erde, auch wenn vom Fleisch gesagt wird: „Staub bist du, und zum Staub kehrst du zurück.“ In diesen Worten wird der Ursprung erwähnt, nicht die Substanz wieder aufgerufen. Dem Fleisch wurde das Vorrecht gegeben, edler zu sein als sein Ursprung, und sein Glück wurde durch die Veränderung vergrößert.
Auch Gold ist Erde, weil es aus Erde kommt, aber es bleibt nicht mehr Erde, nachdem es Gold geworden ist. Es ist eine ganz andere Substanz, glänzender und edler, obwohl aus einer Quelle, die vergleichsweise blass und unbedeutend ist. So war es Gott durchaus möglich, das Gold unseres Fleisches von allen Verunreinigungen zu reinigen, indem er die ursprüngliche Substanz von ihrer Schlacke läutert.
(Über die Auferstehung des Fleisches)
Hinweis, damit du nicht überrascht bist: Dein Material ist so lang, dass ich es in einer einzigen Chat Nachricht vollständig übersetzt habe, soweit es hier im sichtbaren Ausschnitt enthalten war. Wenn du noch weitere Abschnitte hattest, die oberhalb oder unterhalb deines eingefügten Textblocks standen und hier nicht mitgekommen sind, kopiere sie einfach nach, dann übersetze ich sie im gleichen Stil komplett mit.






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